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Harzgewinnung

Auffangtöpfe für Harz

Zeugnis historischer Harzgewinnung an einer Kiefer (Pinus sylvestris)

Beim Spaziergang mit wachsamen Auge kann man hier und da noch diese Zeugnisse vergangener Harzgewinnung im Wald entdecken.

Der gewonnene Harzbalsam der Waldkiefer besteht hauptsächlich aus Kolophonium sowie Terpentin. Früher wurde allerlei daraus hergestellt, u. a. Lacke, Farben, Leim, Linoleum, Papier, Holzteer [Pech], Wagenschmiere, Buchdruckerschwärze und Tusche, Bogenharz, Kienöl etc.). Die anfallenden Kienspäne nutzte man als Lichtquelle, Kiefernnadeln als Waldwolle.

Gewinnung von Baumharz an einer Kiefer

Streiflichter

  • Der kursächsische Bauernaufstand (1790) konzentrierte sich vor allem auf die von Zehmen´schen Dörfer rund um Deutschenbora / Lommatzsch. Etwa 20 km in nordöstliche Richtung von Haßlau.
  • Kaiser Napoleon, welcher in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1813 im Schloss Nossen nächtigte, soll am Tage die Truppenbewegungen von der Radewitzer Höhe aus beobachtet haben.
    Zum Kriegsende des 2. Weltkrieges gab es verlustreiche Kämpfe um die Radewitzer Höhe, Marschall Schukow (Generalstabschef der Roten Armee) soll hier 1945 kurzzeitig sein Hauptquartier gehabt haben.
  • August Bebel (Führer der Arbeiterbewegung und Sozialdemokrat) spricht 1866 in Roßwein.

    Erinnerungstafel (Foto 2007) in Roßwein rechtsseitig der Ausfallstraße in Richtung Haßlau

  • Anfang 1945, KZ-Häftlinge werden kommend von Döbeln (Haßlau vermutlich streifend) weiter in südliche Richtung deportiert.
  • Historische Begebenheiten lösen immer Veränderungen aus. So hat möglicherweise der verheerende Stadtbrand in Roßwein (24. Juli 1806) und später die dortige Industrialisierung einen ersten „Bauboom“ in den angrenzenden Dörfern ausgelöst.
    In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, dem wirtschaftlichen Aufschwung auf dem Lande nach 1960 und in der Zeit nach der politischen Wende (1990) erfolgten Lückenbebauungen und führten zum weiteren Wandel der dörflichen Struktur zu einer Wohnsiedlung mit dörflichem Charakter.

Radewitzer Höhe

Zeit des Siebenjährigen Krieges (3. Schlesischer Krieg)

Preußische Schanze, Radewitzer Höhe (2008)

Die Nähe Haßlau´s zu den Stellungen im Nordosten (etwa 15 km), die Lage zwischen den Stellungslinien der Kriegsgegner und eine in der Umgebung stattgefundene militärische Auseinandersetzung lassen die Vermutung zu, daß die Fluren des Dorfes von Nahrungsbeschaffung, Einquartierungen, Brennholzgewinnung (Obstbäume, Einfriedungen, Scheunen) und Truppenbewegungen (verwüstete Felder) nicht unberührt blieben.

Die schlimmsten Kriegszeiten beginnen ab 1759. Die Preußen besetzen das Gebiet zwischen Zehren (bei Meißen), Triebisch und Mulde fast durchgehend. Ihnen gegenüber standen zumeist die Kaiserlichen (Erzherzogtum Österreich mit Königreich Böhmen & Königreich Ungarn), das Reichsheer (Heiliges Römisches Reich) und die Sachsen (Kurfürstentum Sachsen).

Die preußischen Truppen hatten hier unter Prinz Heinrich (Bruder Friedrichs des Großen) befestigte Stellungen ausgebaut. Die größte Stellung zog sich in der gesamten Ausdehnung vom befestigten Lager Schletta (bei Meißen), über die ‚Katzenhäuser‘ (bei Katzenberg) und die Radewitzer Höhe bis Lüttewitz-Petersberg hin. Diese als „Katzenhäuser“ bezeichnete Stellung war für die preußischen Truppen auch bei zahlenmäßiger Unterlegenheit gut geeignet, sich zu verteidigen. Die meist sehr steilen Hänge der nahen Mulde, Triebisch und Elbe verhinderten überraschende Truppenbewegungen potentieller Feinde. Die Radewitzer Höhe bot außerdem eine umfassende Aussicht. Hinter diesen Stellungen gab es bei Lommatzsch noch eine zweite, völlig ausgebaute Aufnahmestellung.

Die Radewitzer Höhe von Nordosten

Im Winter 1760/61 überwinterten in der Umgebung der Katzenhäuser-Stellung etwa 50.000 Mann.

Seit Herbst 1761 hatten sich österreiche Truppen auch an der Freiberger Mulde zwischen Technitz und Niederstriegis verschanzt. Am 12. Mai 1762 brachen die Preußen bei Döbeln (unter Prinz Heinrich von Preußen und General von Seydlitz) auf der ganzen Linie durch die österreichischen Stellungen und errangen einen vollständigen Sieg. Der Befehlshaber des österreichischen Regiments, General Baron von Zedtwitz, war unter den zahlreichen Gefangenen.

Die Radewitzer Höhe von Südwesten

Neuste Forschungen von Ralph Gundram belegen, daß diese Schlacht sehr bedeutungsvoll für den Ausgang des Siebenjährigen Krieges im Kurfürstentum Sachsen war.

Nach Ende dieses Krieges hörte aber die Belastung der Bevölkerung nicht auf. Für die Behebung der Verwüstungen mußten allein an der Katzenhäuser-Stellung 63 Schanzen auf ca. 9 Kilometer Länge und 54 Batterien auf ca. 4 Kilometer Länge sowie über 12.000 Wolfsgruben und Unterstände eingeebnet werden. Etwa 1000 Menschen benötigten dazu drei Jahre.

Bergbau

Bergbau in der Region um Roßwein

Bei Gersdorf (zwei Kilometer westlich der Stadt Roßwein) befindet sich ein Flächendenkmal des historischen Silberbergbaus in Sachsen, auch Objekt des Projektes UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge“, die ehemaligen Bergwerksanlagen des „Segen-Gottes Erbstolln“. Die Ursprünge des Gersdorfer Bergbaus gehen bis ins 12.Jahrhundert zurück, wie im Gersdorfer Forst aufgefundene Keramikreste belegen. Hier wurden Silber-, Blei- und Kupfererze im oberflächennahen Abbau bis ins 15. Jahrhundert abgebaut. Mit fortschreitender Technologie und Erschöpfung an der Oberfläche ging man zum Abbau unter Tage über. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Grube 300 Meter Tiefe. 1885 wurde der Bergbau in diesem Gebiet endgültig eingestellt.

Die bergbauliche Entwicklung des Gebietes um Roßwein läßt sich nach Forschungen von Ulrich Bänsch (siehe Quellen) in 4 Perioden einteilen und begann erst Anfang des 16. Jahrhunderts und nicht wie bisher angenommen im 13. Jahrhundert.

Perioden des Gangerzbergbaues im Roßweiner Raum:

  •   erste Periode: Anfang 16. Jh. bis 1630,
  •   zweite Periode: ca. 1689 bis 1756,
  •   dritte Periode: 1763 bis 1830,
  •   vierte Periode: 1850 bis 1940.

Bergbau in Roßwein:
Erste bis dritte Periode: Augustus Erbstolln, Berthold Erbstolln, Beschert Glück Erbstolln, Himmlische Posaune Fundgrube, Hubertusburger Friede Erbstolln, Johannes Erbstolln, Kaiser Heinrich Erbstolln, Kaiser Heinrich Fundgrube, Nachtigall Fundgrube, Obere Himmelfahrter Stollnrösche, Neue Güte Gottes Erbstolln, Neue Hilfe Gottes Erbstolln, Neuer Segen Gottes Erbstolln, Tiefer Erbstolln, Tiefer Himmelfahrt Christi Erbstolln, Vereinigte Gesellschaft Gott mit uns Erbstolln, Weiße Taube Erbstolln;
Vierte Periode: Beihilfe Erbstolln, Concordia Fundgrube, Grubenfeld Weißes Roß und Weintraube Stolln, Hermanns Hoffnung Fundgrube, Roßweiner Fundgrube, Schürffeld Johann Gottfried Jäckisch, Schürffeld Kaufmann Richard Johrisch, Schürffeld Klemens Koch, Schürffeld M. S. Herrmann, Weintraube Stolln vereinigt Feld.

Bergbau im Wolfstal bei Roßwein:
Franziskus Fundgrube, Wolfstal Erbstolln.

Bergbau in Gleisberg bei Roßwein:
Goldene Aue Erbstolln, Neuglück Stolln, Neu Glück Fundgrube, Sankt Elias Erbstolln.

Bergbau in Mahlitzsch bei Roßwein:
Glückauf Erbstolln.

Bergbau in Seifertsdorf bei Roßwein:
Matthäus Fundgrube, Reicher Schatzkasten Gottes Erbstolln.

Bergbau in Döbeln:
Blühendes Glück Erbstolln, Goldenes Lamm Erbstolln.

Nach 1945 begannen durch die Wismut AG Erkundungen zu Uranvorkommen, welche ergebnislos verliefen.

Quelle:

  • U. Bänsch 2006: Auf den Spuren des Bergbaus um Roßwein, Denkmale im Landkreis Döbeln – Heft 8.

Entwicklung bis 1848

Entwicklung bis zum 30jährigen Krieg

Je nach wirtschaftlichem Geschick und der gesellschaftlichen Stellung des Landbesitzers sowie der Lage der Bauernwirtschaften in der Landschaft, dürften Mehrseithöfe als Einzelhöfe in Streulage den lokalen Gegebenheiten zweckmäßig angepaßt gewesen sein – so auch in Haßlau.
Die ursprünglichen Höfe wiesen noch nicht die Größe und Ausdehnung der uns bekannten und vertrauten Hoftypen auf. Die Grundstrukturen jedoch waren ähnlich den nachfolgend beschriebenen.

Die Vierseithöfe (vom Typ mitteldeutsch-fränkischer Bauernhof) sind von allen vier Seiten von Gebäuden umschlossen (Wohnhaus, Scheune, Getreidespeicher und Stall). Sie sind besonders den auf guten Standorten wirtschaftenden Höfen zuzuordnen.
Dreiseithöfe sind die kleinere Wirtschaftseinheit. Die Gebäude stoßen an den Ecken des gepflasterten Hofes aneinander. Das Wohnhaus befindet sich auf einer Seite neben der Einfahrt, gegenüber befindet sich der Stall. Die Rückseite des Hofes wird zumeist von der Scheune eingenommen. Nach der Straßenseite ist ein Abschluß durch Mauern und Toreinfahrten gegeben.

Der Zweiseithöfe, als kleinbäuerliche Betriebe, bestehen aus zwei rechtwinklig oder gegenüberliegend angeordneten Gebäuden. Meist bestehend aus Wohnhaus oder Wohnstallhaus (Wohnung und Stall unter einem Dach) und Wirtschaftsgebäude.
Die Übergänge zum Eindachhof (ein Gebäude mit durchlaufender Firstlinie) sind je nach Wirtschaftskraft fließend.

Strukturen eines historischen Hohlweges im Wald

An der „Kalkstraße“ gelegen, dürfte ein Gasthof bzw. Pferdewechselstation schnell an Bedeutung gewonnen haben. Von Roßwein gelangte man auf dieser über Haßlau – Naußlitz zum Kalkwerk Münchhof bei Ostrau um Bindemittel für den Steinbau der Stadt (sicher auch für das Kloster Altzella oder Nossen) zu beschaffen. Daher rühren wahrscheinlich auch mehrere nebeneinanderliegende hohlwegartigen Spuren am sog. Viehholzberg (von Naußlitz in Richtung Haßlau bergwärts linksseitig im Wald sichtbar). Die schweren Fuhrwerke gruben sich tief in die unbefestigten Wege ein. Waren die Spuren so tief eingegraben, daß die Achse aufsaß, wurde daneben ein neuer Weg gefahren. Am gegenüberliegenden Naußlitzer Berg ist der ehemalige Hohlweg auf der linken Seite der heutigen Straße (Fahrtrichtung Döbeln) noch gut erkennbar.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Region mehrfach (besonders Januar/Februar 1637) durch die Schweden geplündert.

Alter Gasthof

Bilder vom historischen Gasthof Haßlau